Die Mutter von Andrea Robbi
undadiert (zwischen 1884 und 1898)
Veronica Helena Methier, die Mutter von Andrea Robbi, wurde 1837 in Davos geboren und starb 1907 in Sils. Die Familie Methier war Inhaberin der «Conditorei Methier u. Co.» in Stettin und der «Pasticceria Methier & Robbi» in Saluzzo (letztgenannte existierte bis 1910). Die Prägung durch ein schwieriges Lebensschicksal – zwei ihrer Kinder starben sehr früh, und die Geschäftsprobleme waren schwerwiegend – kommt in den unruhigen, eher harten und abweisenden Gesichtszügen und dem schräg nach unten abgewendeten Blick zum Ausdruck. Zu den Silser «Dorfgeschichten» gehört auch die Erzählung, Robbis Mutter sei gegenüber ihrem Sohn sehr dominierend gewesen.
 
 
Vater von Andrea Robbi, undadiert
(zwischen 1884 und 1898)
Rudolf Robbi, der Vater des Malers Andrea Robbi, war Konditor und Branndweindestilleur. Vorerst arbeitete er in einer Engadiner Firma im Carrara (wo er vielleicht mitbeteiligt war). Später war er in Saluzzo in den grossen Geschäften Methier-Robbi tätig. Im Sommer betrieb er jeweils seine Alpenkräuterbrennerei in Sils. Er war auch ein passionierter Jäger. Die am Silsersee geschossenen Vögel stopfte er kunstvoll aus. Ein Teil seiner Vogelsammlung befindet sich heute im Schulhaus Sils. Andrea Robbi hat den Charakter der Stofflichkeit – die Wellen des Samthutes, die Falten des Wollstoffes der Jacke, die Fülle des gewellten Bartes – durch gezielte Einsetzung der Lichtreflexe detailliert erfasst. Der gesenkte Blick im hell beleuchteten, ruhigen Gesicht vermittelt den Eindruck des In-Sich-Versunkenseins.
 
 
 
Italienische Landschaft mit
Bauernhöfen,undadiert
(zwischen 1888 und 1898)
Mit unruhigem Blick hält der Künstler inne. Er schaut in den Spiegel um sich zu porträtieren, prüft sich, scheint aber extra schon die Musik des Moulin Rouge zu hören und sich auf die Pariser Nacht zu freuen – darauf deuten die glänzenden Ballschule und der elegante Vatermörder hin. Hinter seinem Rücken lauert in der Form des überdimensionierten «Kältemantels» eine Gefahr, die ihn ängstlich stimmen könnte.
 
 
 
Frau im Petrollicht, undadiert
(zwischn 1890 und 1898)
Mit skizzenhaften Pinselstrichen stellt Robbi eine lesende Frau dar. Das Licht beleuchtet das ruhige Gesicht, die Buchseiten und die Tischdecke. Die Situation erinnert an Giacomettis mehrmals wieder aufgenommenes Bildthema «Die Lampe».
 
Hitenbub bei der Fexschlucht,
undadiert
(zwischen 1888 und 1898)
Die frische Farbgebung sowie die kühne und spontane Ausführung ergaben sich sicherlich an Ort und Stelle, nicht nach Skizzen im Atelier. Die Art des transparenten Farbauftrages mit raschem, temperamentvollem Pinselstrich lehnt an die Mahlweise der französischen Impressionisten an. Die hell durchscheinenden, unbemalten Leinwandpartien erinnern besonders an Werke von Paul Cézanne.