Silsersee Richtung Piz Grevaselvas
und Piz Materdell
Die Pinselführung ist erstaunlich kühn und modern. Jegliche Detailbehandlung ist zugunsten einer flüssigen, spontanen und bewegten Farbigkeit aufgehoben, wodurch eine einheitliche Bildform erreicht wird. Ähnliche Aquarelle finden wir etwas später bei Giovanni Giacometti. Auf der Rückseite des Blattes hat Robbi das hochformatige Aquarell eines Putto gemalt.
Letzte Landschaft
1937 oder 1939
Dieses grossformatige visionäre Gemälde erinnert an manche expressionistische Werke von Edward Munch oder Ernst Ludwig Kirchner. Unschwer sind auf dem Bild der Morteratschgletscher und der Piz Bernina mit Biancograt zu erkennen. Aber Ziel des Künstlers ist offensichtlich nicht mehr die realistische Wiedergabe eines Wirklichkeitsausschnitts. Es ist vielmehr eine innere Landschaft, ein emotionaler Zustand, die ihren Ausdruck finden. Der am unteren Bildrand beginnende Weg führt durch Blumenweiden über ein Bächlein und mündet auf undefinierbare Weise in die Gletscherlandschaft. Ein fahles Licht dämpft im oberen Bildteil die Farbigkeit der Szenerie, die Sonne kämpft sich durch einen verschleierten Himmel durch. Dieses einzigartige Gemälde war in vier Teile zerschnitten. Es ist das einzige Spätwerk des Malers, das bisher gefunden wurde, ein eindrucksvolles Zeugnis der künstlerischen Entwicklung, die Andrea Robbi seit seinem Jugendwerk durchlaufen hat.
 
Italienische Landschaft mit
Bauernhöfen,undadiert
(zwischen 1888 und 1898)
Von einer Anhöhe hinabblickend, erfasst Robbi die unendliche Weite der sanften, hügligen, mit Feldern und Weinbergen bebauten Landschaft. Das Ganze ist äussert lichterfüllt, und die Atmosphäre scheint beinahe in die Materie der Erde einzudringen. Der Horizont ist nicht als Trennlinie ausgeprägt: Erde und Luft gehen farblich und strukturmässig ineinander über.
 
 
Winterlandschaft mit Sils Maria
und Piz da la Margna
Mie ausdrucksstarken Licht-Schatten-Effekten erfasst Andrea Robbi den winterlichen Nachmittag von Sils Maria. Die Häuser und Ställe stehen zum dahinter liegenden schattigen Piz da la Margna in kontrastreichen Dialog.
Steinhalde Richtung Piz Grevasalvas, undadiert
(zwischen 1890 und 1898)
Das unvollendete Bild zeigt, wie Robbi nach neuen Ausdrucksformen sucht und zu einer modernen Form der Darstellung gelangt. Die Vielfalt der Steine dieser Geröllhalde kommt durch gezielte, aber doch spontane, grobe Pinselstriche zur Geltung. Die Dynamik der Form wird durch die starke Farbigkeit gesteigert. Wie bei den Impressionisten wird das Schwarz, selbst in den Schatten, vermieden. Geröll, Bäume und Wolken werden von Naturobjekten in Naturereignisse verwandelt. Robbis Loslösung von einer lediglich abgemalten Natur wird durch das Fehlen der Schlagschatten zusätzlich betont. Die Bleistift-Schraffierungen in den Waldpartien verraten Robbis unruhige Suche nach weiteren künstlerischen Ausrucksmitteln.